Informationen des Gesunde Städte-Netzwerkes Schlangenbad

Impfen oder nicht impfen?

 

In den letzten Wochen haben Sie einiges über die Corona-Impfung gelesen und gehört und haben sicher viele Fragen. Leider können wir vom gesunden Städtenetzwerk zurzeit auf-grund der Pandemieregelungen keine öffentliche Informationsveranstaltung wie sonst für Sie anbieten. Dennoch möchte ich hier versuchen, Ihnen die häufigsten Fragen zu beant-worten:

•Wer soll sich impfen lassen?
•Muss ich mich impfen lassen, wenn ich schon 80 Jahre oder älter bin?
•Warum werde ich mit meinem Erkrankungsrisiko nicht zuerst geimpft?
•Wie bekomme ich wo einen Impftermin und wer hilft mir dabei?
•Kann mein Hausarzt mich impfen?
•Ist die Impfung gefährlich?
•Verändert die Impfung das Erbgut?
•Was sind die Spätfolgen?
•Welcher Impfstoff ist der beste?

Bislang wurden weltweit in den letzten Wochen ca. 60 Millionen Menschen (in Deutschland ca. 1,5 Mill.) gegen das Coronavirus geimpft. Daher wissen wir: Unmittelbar nach der Impfung treten in ca. 80% der Fälle leichte Schmerzen an der Einstichstelle auf, 40-60 % haben Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit. Allergiker können sehr selten mit Überempfind-lichkeitsreaktionen reagieren (1:100.000) und werden deshalb 30 Minuten nach der Imp-fung überwacht. Menschen die eine 2. Impfung erhielten, hatten manchmal kurz Fieber. Das sind übliche Reaktionen wie bei anderen Impfungen, wie gegen Grippe, auch. Nach meinen persönlichen Erfahrungen wurden die Impfungen der letzten Wochen von allen Personen sehr gut und manchmal ohne jegliche Symptome vertragen. Ob die Impfung Langzeitschäden mit sich bringen wird, ist noch nicht sicher zu sagen, da es keine Lang-zeitstudien gibt und wir uns in der Phase 3 der üblichen Impfzulassung befinden. Für ge-sunde Erwachsene ist die Impfung am ungefährlichsten und sicher weniger schlimm als die Covid-Erkrankung selbst. Somit spielt bei der Entscheidung, ob Sie sich impfen lassen soll-ten, nicht ausschließlich das Alter eine Rolle, sondern sollte individuell abgewogen werden. Natürlich ist es gesellschaftlich sinnvoll, wenn möglichst viele Menschen eine Immunität aufbauen und so das Ansteckungsrisiko und die Verbreitung der Erkrankung sinkt.

Wenn Sie eine Impfeinladung erhalten haben, rüstig sind und die "AHA Regeln" konsequent einhalten (Achtung: gemeinsame Mahlzeiten und Aufenthaltsräume sind häufige Infekti-onsquellen!), d.h. sich selbst schützen können, ist keine Eile mit der Impfung geboten. Sind Sie jedoch schon älter und z.B. in die Enkelbetreuung eingebunden oder müssen sie regelmäßig vom Pflegedienst oder anderen Helfern besucht werden, ist eine Impfung si-cher sinnvoll. An diesem Beispiel wird deutlich, dass die bisher allein politisch gefäll-te Entscheidung, wer zuerst zu impfen ist und wer vielleicht gar nicht geimpft werden soll-te ohne Beurteilung des individuellen Gesundheitsstatus und Einbindung der Hausärzte – die sonst Impfungen durchführen - eine große Herausforderung darstellt.

Obwohl das Impfen an sich die größte Errungenschaft der Medizingeschichte darstellt (sie-he Artikel Schlangenbader Nachrichten Juni 2020), bestehen bei den neuen Impfstoffen noch viele Unsicherheiten in der Bevölkerung. Die meisten Befürchtungen sind jedoch un-begründet und die Verträglichkeit sehr gut. Die aktuellen mRNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 von BioNTech/Pfizer und Moderna können aufgrund des Wirkmechanismus keine Veränderungen am genetischen Material hervorrufen. Die ahmen nur den normalen Infek-tionsweg von vielen Viren nach und gelangen nicht in den Zellkern unserer Zellen. Im wei-testen Sinne ist es vorstellbar, dass in seltenen Fällen bei Geimpften Symptome auftreten, die auch durch das Virus selbst hervorgerufen werden können. Da in der Literatur Einzel-fälle von Unfruchtbarkeit durch eine Covid- Erkrankung beschrieben sind, haben einige junge Menschen Sorge, dass dies auch nach einer Impfung auftreten könnte. Gleiches gilt für Autoimmunerkrankungen. All das sind Vermutungen, die erst nach Jahren beantwortet werden können. Unmittelbar nach der Impfung spielen sie keine Rolle. Patienten mit im-mununterdrückender Therapie (z.B. Cortison o.ä. bei Rheuma, Chemotherapie) oder ei-nem schwachen Immunsystem, sollten unbedingt mit einem Arzt ihr individuelles Impfrisi-ko besprechen um Nutzen und Schäden möglichst genau abzuwägen. Hier gilt im Zweifels-fall: Sollten Sie sich persönlich gut durch Einhaltung der „AHA Regeln“ schützen können, ist ein Abwarten bis wir mehr über Wirkung und Nebenwirkung der Impfung wissen, zu disku-tieren. Ein weites Feld und hier nicht näher ausführbar sind die Unterschiede der auf dem Markt befindlichen und noch zu erwartenden Impfstoffe. Nicht alle werden von Experten gleichermaßen empfohlen. Die derzeit verfügbaren mRNA-Impfstoffe gehören aber wohl zu den besten, sichersten und unproblematischsten.

Da etwa 80% der an Corona Verstorbenen in Deutschland Bewohner eines Alten- oder Pflegeheims sind bzw. schon vor dem Erkrankungsbeginn pflegebedürftig waren, wird empfohlen, dass Menschen die sich häufig in diesen Einrichtungen aufhalten (Kontakt zu vulnerablen Gruppen) oder dort beruflich tätig sind, ebenfalls zuerst geimpft werden. Der-zeit nicht geimpft werden sollen Personen, die in den letzten 3 Monaten eine Covid- Er-krankung hatten. Wir nehmen an, dass Patienten, die keine oder nur schwache Symptome hatten, keine genügende Immunantwort haben und erneut erkranken können. Personen die schwerer erkrankt waren und mehr als 2-3 Wochen unter Symptomen gelitten ha-ben, können durch Bestimmung ihrer Antikörper gegen das Virus herausfinden, ob sie eine Immunität entwickelt haben. Wenn dies der Fall ist, kann mit einer Impfung getrost abge-wartet werden.

Bisher wird nur durch die staatlichen Impfzentren und das Personal in Kliniken und Heimen geimpft. Oft ist die Bundeswehr involviert und es geht zu wie in Fort Knox. Wann in den normalen Praxen geimpft werden kann, ist noch völlig unklar. Die Priorisierung der Impf-reihenfolge wird gegenwärtig breit diskutiert und kritisiert und evtl. noch geändert. Ge-impfte dürfen nicht leichtsinnig werden, da wir nicht wissen, wie gut sie geschützt sind und ob sie bei einer leichten Infektion ohne Symptome ansteckend sind. Daher gilt für Geimpf-te wie Ungeimpfte weiterhin bis auf weiteres, dass jeder für sich und die anderen das In-fektionsrisiko minimieren sollte. Neben dem Einhalten der "AHA Regeln", Tragen von FFP2-Masken im Kontakt mit anderen Menschen, Besuch von älteren Menschen möglichst nur mit kurz zuvor durchgeführtem Abstrich auf eine nicht bemerkte Corona-Infektion, kommt der körperlichen Fitness und der Verbesserung des Immunsystems eine entscheidende Rolle zu: Kneippgüsse, kaltes Duschen, Schwitzbäder/Sauna, körperliche Bewegung (mind. 2-3x/Woche) möglichst an der frischen Luft, gesunde Ernährung, gesundes Mikrobiom, genügend Flüssigkeitszufuhr (insbesondere immunstärkende Tees wie Eberraute und Ing-wer). Auch die allgemeinen Gesundheitsregeln Nichtrauchen, ausreichend Schlaf und wenig Alkohol sind jetzt wichtiger denn je.

In den letzten Monaten haben die Hausärzte viele Coviderkrankte behandelt. Zum Glück sind nur wenige verstorben. Mein Fazit als Palliativ- und Hausärztin aus dieser schweren Zeit ist: Demut. Ich bin demütig, gesund zu sein und darf mich glücklich schätzen, in die-sem wunderschönen Schlangenbad zu wohnen, welches uns vor Ort optimal ermöglicht, in der Natur Kraft und Genesung zu finden. Respekt zolle ich allen Eltern, die das Home-schooling und die Berufstätigkeit bewältigen müssen. Dank gilt den Arbeitgebern, die Homeoffice anbieten. Zu bewundern sind Großeltern, die sich an der Betreuung von Enkeln beteiligen und sich dafür extra fit halten mit gesunder Ernährung und viel Bewegung. Freude machen Nachbarn, die kreativ helfenden Kontakt untereinander ermöglichen. Es erscheint so, dass man in der Krise näher zusammengerückt ist. Tiefste Bewunderung und Anerkennung gilt auch den vielen Pflegenden zu Hause, in Kliniken und insbesondere in Pflege- und Altenheimen. Von diesen haben die meisten schmerzhaft erleben müssen, wie durch eine "Corona-Welle" viele Bewohner gleichzeitig erkrankten und verstarben. Viele Mitarbeiter mussten über Wochen ohne Freizeitausgleich durcharbeiten bis zur völligen Erschöpfung, zusätzlich erschwert durch Personalnot wegen miterkrankten Helfern. Ihnen gebührt unsere respektvolle Unterstützung. Anerkennen muss man auch, dass Wissen-schaft und Politik es geschafft haben, in 10 Monaten Impfstoffe zu entwickeln und einzu-führen, was sonst etwa 15 Jahre gedauert hat.

Was wir dringend brauchen, ist mehr Geduld und Vertrauen, auch was die Impfung anbe-langt. Wer in den letzten Wochen versuchte online oder telefonisch einen Impftermin zu erhalten, hat bemerkt, dass es derzeit schwierig ist; zum einen aufgrund des fehlenden Impfstoffs, zum anderen mangels Eröffnung des Impfzentrums des Rheingau-Taunus-Kreises in Eltville. Seit dem Impfstart in Wiesbaden beschäftigen sich das Büro des Bür-germeisters und unsere Gemeindeschwester intensiv mit der Machbarkeit sinnvoller, Hür-den-minimierender Impfabwicklung in unserer Gemeinde. Wir alle sollten in dieser Zeit gnädig mit den Nächsten und uns selbst umgehen und Schuldzuweisungen vermeiden, denn die Pandemie stellt für uns alle eine ungeahnte und schwer zu meisternde Anforde-rung dar. Als Ärztin weiß ich, dass man nicht immer gefragt wird, ob man etwas erleben möchte oder nicht. Ob Sie geimpft werden oder nicht, das dürfen Sie selbst entscheiden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesundes 2021!

Dr. med. Sabine Thiel
Koordinatorin Gesunde Städte-Netzwerk
Kur-& Badeärztin Schlangenbad

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